Das magische Dreieck der Nachhaltigkeit

Grundwissen zum Thema unternehmerische Nachhaltigkeit.

Was für die einen bereits ein alter Hut sein mag, ist für viele andere dennoch weiterhin Neuland. Der Begriff Nachhaltigkeit ist aktuell vor allem in der Handels- und Automobilindustrie durch Kommunikationsstrategien die eigene Sustainability betreffend, präsenter denn je. Doch nicht jeder, auch seitens Unternehmensverantwortlicher, kann sich unter diesem Begriff etwas vorstellen bzw. hat ein Verständnis, welches alle Bereiche der mittlerweile tradierten Definition umfasst. So mag es bereits eine Offenbarung bedeuten, dass Nachhaltigkeit in drei Dimensionen gedacht wird: ökologisch, ökonomisch und sozial, wobei die Reihenfolge der Aufzählung keine Wertung darstellt.

Ökologsich

Die wohl eher geläufige Definition zum Wort selbst ist geprägt durch die Forstwirtschaft und zielt auf die Nutzung eines Systems in Art und Weise ab, dass sich dieses von selbst und auf natürliche Weise regenirren kann, sodass seine wesentlichen Eigenschaften sowie Funktionen erhalten bleiben. Gerade in Bezug zur Nutzung natürlicher Ressourcen lässt sich bereits anhand dessen ein erster Anhaltspunkt skizzieren, der unmittelbar im Zusammenhang zur ökologischen Umwelt zu sehen ist. Aber nicht nur der Abbau von Ressourcen beeinträchtigt ein Ökosystem, auch die unnatürliche Zuführung von Stoffen, in diesem Falle vorwiegend Abfälle, kann zu einem Ungleichgewicht führen. Diese Art von Ungleichgewichten verhindert oftmals die zyklische Regeneration des Systems, kann sich allerdings auch negativ auf die wesentlichen Beschaffenheiten auswirken, sodass dieses zwar weiterhin besteht, seine Funktion als Teilsystem oder geschlossenen Kreislauf jedoch nicht mehr erfüllen kann. Diese Betrachtung wird auch als inter-gernerationale Gerechtigkeit bezeichnet, bei der eine aktuelle Generation nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch das künftiger Generationen zu seiner Verantwortung zählt und somit in die eigene Entscheidungsfindung einfließen lässt.

Bei der Betrachtung unternehmerischer Nachhaltigkeit auf der ökologischen Ebene bildet dabei genau dieses Verständnis die Ausgangsbasis, indem geschlossenen Kreisläufe das übergeordnete Ziel darstellen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die eigene Tätigkeit seine eingesetzten Ressourcen in einem Maße beansprucht, dass die Erhaltung des Kreislaufsystems in dem sich diese befindet, ermöglicht. Gleichzeitig bietet ausschließlich die Schließung des eigenen Kreislaufes, z.B. einer produzierenden Wertschöpfungskette die Möglichkeit, die negative Auswirkungen durch Externalitäten auf bestehende, direkt betroffene Systeme zu vermeiden.

Ökonomisch

Diese Dimension der unternehmerischen Nachhaltigkeit wird bislang durch alle Wirtschaftszweige hinweg am intensivsten thematisiert und behandelt. Auch hier wird nachhaltiges Handeln durch eine erhaltende Balance skizziert. Grundlegend stellt die ökonomische Dimension den Fortbestand des Unternehmens und somit auch des Marktes, bestehend durch Angebot und Nachfrage dar. Wichtig hierbei ist jedoch, dass es nicht um die reine Maximierung wirtschaftlichen Erfolgs zum Zweck der Bereicherung geht, wobei diese keinesfalls ausgeschlossen ist. Vielmehr zielt der wirtschaftliche Erfolg auf die Erhaltung der Anbieter von Waren und Dienstleistungen, des in sich semi-geschlossenen Arbeitsmarkt und der damit einhergehenden optimierten Ressourcenallokation einher. Da Wirtschaften immer auch auf Basis eines Optimierungsproblems stattfindet, welches durch die Marktbedingungen gesichert werden soll, bietet dies in seiner optimalsten Form größtmögliche Effizienz. Hier spielen die zuvor erläuterte inter-generationale und die intra-generationale Gerechtigkeit zusammen, als dass der Fortbestand die Interessen künftiger Generationen wahrt, aber auch ein wirtschaftlicher Erfolg auf Kosten von einzelnen gesellschaftlichen Gruppen innerhalb einer Generation dem Optimierungsansatz und dem Zweck der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen widerspricht.

Sozial

Zumeist im europäischen Raum vernachlässigt, da im direkten Betrachtungshorizont durch den Sozialstaat größtenteils und flechendeckend als unproblematisch abgestempelt, fristet die soziale Dimension eher das Dasein eines Nebenkriegsschauplatzes in der Nachhaltigkeitsdebatte. Was jedoch durch solidarische Gemeinschaften im mittleren Westen zumindest ein gewisses Maß an Wohlstand für einen großen Teil der Bevölkerung garantieren kann, sieht weltweit betrachtet erheblich anders aus. Die soziale Dimension repräsentiert dabei nicht nur Grundwerte wie Sicherheit, Frieden und Bildung, sondern auch diversifiziertere Ziele wie Toleranz und Inklusion, Geschlechtsunabhängige Gleichstellung und soziale und kulturelle Teilhabe. Hier trägt vorwiegend die intra-generationelle Gerechtigkeit dazu bei, dass auch in Europa ansässige Unternehmen durch globalisierte Liefer- und Wertschöpfungsketten ihre Verantwortung über die social-benefits der eigenen Mitarbeiter hinausgehend wahrnehmen sollten.

Doch auch im Sozialstaat zeigt sich die Herausforderung für unternehmerische Tätigkeit in dieser Dimension, indem bislang die Funktion von Unternehmen als Kultur- und Bildungsinstanz einer Gesellschaft vernachlässigt wird. So trägt doch auch jedes von ihnen zur Identität der umliegenden Region bei, sei es durch den direkten Einfluss über die eigenen Mitarbeiter, die visuelle Prägung eines Stadt- oder Landschaftsbildes oder die Bedeutung des Produkts oder der Dienstleistung für die gesamte Gesellschaft.

Die unternehmerische Betrachtung der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit hat demnach keinesfalls ausschließlich den Charakter eines Ehrenamtes abseits der Geschäftstätigkeit, sondern betrifft in großem Umfang diese Tätigkeit selbst und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Gesellschaft, denn nicht zuletzt erfüllt jedes Unternehmen mit seinem Gut auch immer einen sozialen Zweck.

Im Zusammenspiel

Die Kunst besteht letzen Endes darin, alle drei Dimension zu verstehen und diese gleichermaßen mit Berücksichtigung zu würdigen. Im tradierten Verständnis dazu überwiegt leider oftmals die Auffassung, dass wirtschaftliche Interessen über derer der anderen beiden Dimensionen stünden. Dies steht im maßgeblichen Zusammenhang mit dem Verständnis des Zwecks von Unternehmens, entweder als profimaximierendes Konstrukt zur Bündelung finanzieller Ressourcen in einem nicht-menschlichen Apparat, oder zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen zur Sicherstellung des Wohlstands des 21. Jahrhunderts für die gesamte Gesellschaft unter Berücksichtigung Marktwirtschaftlicher Mechanismen zur optimalen Ressourcenallokation.

Auch ist nach wie vor noch offen, ob es überhaupt einen derart drastischen Zielkonflikt zwischen den Dimension auf unternehmerischer Ebene gibt, oder ob ein Konsens nicht einen, wie auch immer zu definierenden, gleichsamen Erfolg im allen drei Dimensionen schaffen kann.

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