Die Start-Up Chance

Warum gerade zu Beginn Nachhaltigkeit zählt.

Sie sind der Business-Liebling seit mehreren Jahren, die Start-Ups. Beliebt bei Investoren, jungen Menschen in Berlin und gleichermaßen auch technologievernarrten Zukunftsforschern versprechen Start-Ups nicht weniger, als die dynamische Neuerfindung ganzer Branchen durch Lösungen von Problemen, die möglicherweise noch gar nicht existieren. Mit dabei ist immer ein hohes Maß an Technologie und mindestens genau so viel Innovation, nicht zuletzt vor allem in der Rolle von Entrepreneur, Mitarbeiter und allem dazwischen.

Wo hingegen New-Work Konzepte in Start-Ups fast schon zum guten Ton gehören, hinkt die unternehmerische Nachhaltigkeit bei all dem Wunsch nach Innovation in jeder Hinsicht oft noch hinterher. Doch genau das sollte sich künftig ändern, denn gerade zu Beginn sind die Chancen für eine Internalisierung von Sustainability im Geschäftsmodell, aber auch in allen internen Abläufen eines noch jungen Unternehmens nahezu grenzenlos. Aber warum ist das so?

Der Kostenfaktor

Wirtschaftlich muss ein Start-Up zu Beginn nicht sein, so sagt man. Viel mehr geht es um die Idee und die Menschen dahinter, in die immer mehr Investoren bereit sind zu investieren, Tendenz steigend. Auch wenn möglicherweise das Klischee zum Thema Nachhaltigkeit hiermit bedient wird, aber zu Anfang kostet sie Geld.

Aber, da diese Kosten vorwiegend in der Aufarbeitung, Optimierung und Umsetzung bestehender Prozesse verankert sind, sticht hier der Vorteil der frühzeitigen Berücksichtigung sofort ins Auge. Die unumgänglichen Investitionskosten beim Aufbau der eigenen unternehmerischen Strukturen steigen jedoch erfahrungsgemäß keinesfalls ins unermessliche, sofern Sustainability dabei ein Kriterium darstellt. Die komfortable Situation, nicht ab der ersten Minute an rein finanziellen Kennzahlen gemessen zu werden und zudem Strukturen von der Pike an aufbauen zu können, sollten den Innovationsgeist junger Unternehmer/*innen so weit beflügeln, Produkt und Arbeitsweise auch in Bezug auf ökologische sowie soziale Faktoren hin zu optimieren.

Die Idealisten

Wer für ein Start-Up arbeitet, brennt in der Regel auch dafür. Wie könnte man auch nicht, wenn man die Chance hat, sich intensiver und effektiver in Entwicklung von etwas Neuem, möglicherweise Großem, einbringen zu können, als dass anderswo möglich ist. Dass dabei oftmals Bezahlung und Aufwand ein eher unvorteilhaftes Verhältnis bilden, ist jedoch nur Nebensache.

Ein geringes Fixgehalt, dafür aber die Option von Anteilen am Unternehmen sind eine Form der Investition eines jeden Angestellten, die gerade zu Beginn die Einstellung der ersten Mitstreiter neben den Gründern/*innen ermöglicht.

Damit einher geht eine große Portion Überzeugung von der Idee, aber auch vom Gründer-Team und dessen Philosophie, die in der Lage ist, über die anfänglich finanziell suboptimale Situation hinwegzutrösten.

Dass generell das Interesse von Angestellten an der ökologischen und sozialen Performance eines Unternehmens stark wächst, gilt ebenso auch in der Start-Up-Branche. Wer also diese Werte bereits zu Beginn vertritt, möglicherweise sogar ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Lösung eines solchen Problems auf den Markt bringen möchte, hat gute Chancen darauf, sich die Arbeitskraft der Enthusiasten zu sichern. Auf diese ist ein Start-Up zwangsläufig angewiesen um mit den verfügbaren Mitteln schnellstmöglich Erfolge am Markt erzielen zu können.

Da zumeist eher junge Menschen von Start-Ups angezogen werden, liegt die Annahme nah, dass diese oftmals ein gewissen Verständnis, wenn nicht sogar eigene Prinzipien, zum Thema Nachhaltigkeit mitbringen, da sie mit der Thematik durch Schule und Studium gewachsen sind. Neben dem Vorteil durch engagierte und informierte Enthusiasten mit deren Blickwinkel auf diese Art von Fragestellungen auf dem Weg zum Markteintritt, fällt auch gleichzeitig die Trägheit eines Überzeugungsprozesses weg. In vielen tradierten Unternehmen sind es Jahrzehnte der unreflektierten Praktizierung von Abläufen, die einer dynamischen Optimierung im Sinne der Nachhaltigkeit im Wege stehen, wobei vorwiegend die Bereitschaft zur Veränderung bereits das Problem darstellt. Kämpfen alle Beteiligten für dasselbe Anliegen, steigert das neben der Anzahl möglicher Lösungsvorschläge auch die Agilität enorm. So kann der Vorteil eines Star-Ups durch flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege, bei denen jeder Mitreden darf, optimal genutzt werden.

Die Finanzierung

Ein kritischer Punkt für viele Gründer/*innen ist die Gewinnung von Investoren zur Finanzierung der Idee oder dessen Umsetzung. Auch hier kann Nachhaltigkeit ein treibender Faktor sein, da es mittlerweile eine Vielzahl an Finanzprodukten gibt, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisieren. Vorwiegend wird sich dabei an den ESG-Faktoren (Environmental, Social, Government) orientiert, welche eher für größere Unternehmen relevant sind. Dennoch gibt es auch für Start-Ups einige Möglichkeiten, über besonders nachhaltige Innovationen oder eine nachhaltige Unternehmensphilosophie an geförderte Finanzierungen zu gelangen, da inzwischen neben entsprechenden Stiftungen auch Banken das gewaltige Potenzial von besonders jungen Unternehmen in diesem Bereich erkannt haben. Auch hier sind die Bedingungen der Finanzierung an ökologische oder soziale Faktoren geknüpft, oftmals reicht dabei aber bereits die geplante Optimierung solcher Probleme durch das Geschäftsmodell als Grundlage der Förderung.

Besser noch ist allerdings die Gewinnung eines Investors, dessen Anliegen beispielsweise der Umweltschutz oder die soziale Gleichstellung darstellt. Das sogenannte Impact Investing hat dabei vordergründig dieses Ziel, ist nachrangig aber natürlich ebenso renditenorientiert wie die zuvor erläuterte Finanzierung durch Banken. Der Vorteil liegt jedoch beim Impact Investing im Investor selbst, der persönliches Interesse an der Verbesserung des Status Quo zum gesellschaftlichen Wohle über finanzielle Interessen stellt. Im optimalen Fall resultiert diese Einstellung, gepaart mit einem Geschäftsmodell, welches Nachhaltigkeit berücksichtigt, (eine sog. „Business Sustainability 3.0„) in der Funktion eine Business Angels. Von dieser engagierten Form der Beziehung zwischen Investor und Gründer profitieren nicht nur die beiden Vertragsparteien, sondern auch Umwelt und soziale Gleichstellung; demnach auch vor allem wir als Gesellschaft.

Artikel Teilen & Weitersagen

Share on linkedin
Share on xing
Share on twitter
Share on email
Share on print
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on pinterest

Aktuelle Artikel

Finden Sie heraus, wie cørcle Ihr Unternehmen unterstützen kann.

Scroll to Top