Slow down durch Lockdown

Was wir aus der aktuellen Situation lernen und Positives mitnehmen können.

Während die Welt aktuell auf Sparflamme agiert und sich ein großer Teil des öffentlichen Lebens im Stillstand befindet, entwickelt sich eine ganz neue Art der Kreativität und der Unterhaltung, aber auch Solidarität mit Menschen und Berufsständen, denen sonst eher weniger Beachtung zuteil wurde.

An dieser Stelle geht der Dank raus, an die Helden des Alltags, welche sie nicht erst in Krisenzeiten einer weltweiten Pandemie geworden sind, da sie ihrer Berufung mit stoischer Aufopferung zu jeder Zeit und ungeachtet von teils widrigen Umständen nachgehen, ohne dabei mehr zu fordern als die Anerkennung derer sie sich verdient machen, Tag für Tag.

Abseits vom stressigen Pendeln zur und von der Arbeit, quasi dem Leben im Berufsverkehr und mit mies gelaunten Morgenmuffeln in den öffentlichen Verkehrsmitteln, entdeckt Deutschland gerade das ortsunabhängige Arbeiten, vorwiegend in Form des Home Office. Aber da arbeitet man ja eh nie so richtig, weil der Chef einem nicht auf die Finger klopfen kann, oder? Naja fast, denn was die Sozial-und Arbeitsforschung schon länger weiß, berichten zur Zeit vermehrt auch diejenigen unter uns, die entdecken, dass ihre Arbeit dank des Internets ortsunabhängig geworden ist.

Aber woran liegt es, dass die Produktivität mitunter sogar steigt, sobald die eigenen vier Wände für die Arbeit nicht verlassen werden?

Es ist die Mischung aus Konzentrationsaufgabe und geistigem Zurücklehnen, der Stimulation durch heimische Ablenkungen im Gegensatz zur Reizüberflutung Pendler-Alltags. Mit absoluter Sicherheit gilt dieser eigentliche Widerspruch keinesfalls für alles und jeden, aber für viele Menschen raubt bereits die Prozedur des Arbeitsweges wertvolle Energie zum Denken, wenn das „Denken“ eigentlich schon in der U-Bahn beginnt, wenn die unfertigen Aufgaben panisch im Geiste durchgegangen werden, aber dann auch nicht so richtig weil der Nachbar mit lautem Schnarchen immer Näher rückt, der Rucksack eines anderen Fahrgastes nervig im eigenen Gesicht rumbaumelt während der Rücken bereits jetzt schmerzt von der mehr schlechten als rechten Sitzposition auf dem speckigen Polster der Bahn, die bereits mehr Jahre hinter sich hat, als man selbst. Vom Stop-and-Go Verkehr stadteinwärts fangen wir besser gar nicht erst an.

Diese meist sinnlose Zeit zerrt jedoch bereits an unseren Kräften für den Tag und sorgt dafür, dass wir beim Eintreffen am Arbeitsplatz mitunter ersteinmal eine halbe Stunde und zwei Tassen Kaffee benötigen, bis wir uns den ersten Mails widmen können.

Zweifelsfrei fehlt der soziale Austausch mit den geschätzten Kollegen im Home Office und die Mitmenschen im Haushalt haben die verlockende Möglichkeit, einen wegen der vermeidlich unwichtigsten Gründe aus dem Flow zu reißen, aber genau hier liegt der Vorteil. Die so viel thematisierte Work-Life-Balance bekommt eine ganz neue Dimension, indem die zeitliche Abfolge von Dingen deutlich gewichtiger zugunsten der sinnvollen Anordnung im Tagesverlauf, anstatt der Verbannung aller Aktivitäten in den Zeitraum nach der Arbeit ausfällt. Dass hierbei eine Optimierung stattfindet, steht außer Frage. Die Auswirkungen dessen: Gelassenheit darüber, wie der Tag gestaltet werden kann unter der Prämisse allen Aufgaben von Work und Life mit sinnvoller Zeitgestaltung nachkommen zu können, denn gewisse Tätigkeiten machen zu bestimmten Tages- oder auch Nachtzeiten mehr sinn, als andere.

Durch den wachsenden Handlungsspielraum wächst die Gelassenheit und mindert mitunter erheblich das Stresslevel, beispielsweise 30 min. vor Feierabend darüber, nachdem sich über den Arbeitstag und mit tatkräftiger Unterstützung unserer per Smartphone vernetzten Welt, bereits eine lange Liste an Besorgungen, Terminen oder schlichtweg Erinnerungen angesammelt hat, welche es dann vor Ladenschluss noch abzuklappern gilt.

Die neue Freiheit richtig nutzen

Was richtig und was falsch ist, dazu ist jeder herzlichst eingeladen, sich seine eigene Antwort zu bilden, zumindest wenn es um die Freizeitgestaltung geht.

Aber was wir wohl alle dank Corona gelernt haben: der Mensch möchte immer genau das, was er (gerade) nicht haben kann. War schon im Sandkasten vermeidlich deutlich ausgeprägter, wobei der ein oder andere hier auch im fortgeschrittenen Alter für Verblüffung sorgt.

Aktuell betrifft das wohl vor allem das öffentliche Leben wie wir es kennen, mit Restaurants, Cafés und Kneipen, aber auch Teamsportaktivitäten oder Großveranstaltungen. Dass der vorübergehende Verzicht uns nicht nur einmal mehr das Bedürfnis des Geistes nach solcher Stimulation aufzeigt, sollten wir als das große Learning aus der Situation betrachten.

Kombinieren wir diese wiedergewonnene Erkenntnis über die Freude am Genießen der einprägsamen Momente des Lebens, die die wir mit Fotos gerne für die Eiwigkeit festhalten wollen, mit unserer neu gewonnen Freiheit durch das ortsunabhängige Arbeiten, liegt der Schluss doch auf der Hand. Slow Down bedeutet keinesfalls nur noch 30% zu geben, sondern immer 110.

Wenn es die Stunden des Tages sind, in denen ich mich am leistungsfähigsten fühle, meine Arbeit in einer ungewohnten Effizienz und Effektivität zu verrichten, dann tue ich genau das und zwar mit all meiner Power und Leidenschaft. Wenn jedoch das Wetter mal wieder zu einladend oder der Kopf einfach gerade viel zu überfüllt mit Gedanken ist, dann ist die Zeit zum Rausgehen. Und auch dann gehe ich diese körperliche oder geistige Stimulation mit all meiner Energie an, sodass ich diesen Moment voll und ganz ausnutzen kann.

Dabei auch zu späteren Stunden des Tages noch zielführende Arbeit verrichten zu können, hilft uns die allzeitige Bereitstellung von Information durch das Internet und dezentrale Speichermöglichkeiten auf Basis der Cloud. Was vor allem die eigene Effizienz zu steigern scheint, kann jedoch auch gesamtgesellschaftliche Impulse geben. Erinnern wir uns zurück an die eingangs geschilderte Situation im Pendler-Alltag. Welche Auswirkungen auf Komfort und vorwiegend Umweltbelastung eine Reduzierung der Anzahl täglicher Pendler verspricht, wird in Kürze zumindest anhand messbarer Werte wie CO2-Emissionen oder City-Smock ablesbar sein. Auch eröffnen sich Dynamiken im Zusammenhang mit der fortschreitenden Globalisierung, welche durch die sinnvolle Nutzung dezentraler Kommunikation im Web-Format erheblich verträglicher für Mensch und Umwelt zu gestalten ist.

Vielleicht trägt die aktuelle Situation dazu bei, dass sich nicht nur die Vordenker unter den Unternehmern mit dem „New Work“- Konzept befassen, welchen wohl aktuell am schnellsten die Adaption an die veränderten Rahmenbedingungen geglückt sein dürfte.

Seine eigenen Strukturen aufbauen zu können bedeutet nicht, Dinge zu vernachlässigen. Es bedeutet den Dingen seine volle Aufmerksamkeit widmen zu können, ganz egal ob Work oder Life..

Artikel Teilen & Weitersagen

Share on linkedin
Share on xing
Share on twitter
Share on email
Share on print
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on pinterest

Aktuelle Artikel

Finden Sie heraus, wie cørcle Ihr Unternehmen unterstützen kann.

Scroll to Top